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St. Martin Teil II

11.11.2014


Ach kommen Sie, Sie erinnern sich doch auch nach an ihren Martinszug aus der Kindheit ... wenn Vati am frühen Mittag zum Bauern in der Nachbarschaft gereist ist, um da die Runkel für die Laterne zu ordern und diese anschliessend zu einem St. Martin mit dem langen Bart aus medizinischer Watte aufgepeppt hat ...

Holymoly, was haben wir Kinder da Nerven lassen müssen, bis der Knabe endlich das Gesicht geritzt bekommen hat und vor allem musste nach der Schnitzerei ja auch die Kerze hindurch scheinen. Wie, Sie wissen nicht was eine Runkel ist ... und dabei habe ich diesen Geschmack von Radieschen und rohem Spargel niemals vergessen ... denn bis man einmal in der Genuss der Martins-Tüte gekommen war, musste man ja im Rahmen des Zuges erst einmal die 2 Kilometer ablaufen. Ja, alle Kinder aus unserem Dorf versammelten sich zu einem fixen Termin auf dem Platz vor unserem Stadthaus und sobald der St. Martin mit dem geleasten Gaul um die Ecke getrabt kam, mussten wir wie die armen Sünder hinter ihm und seinem Schimmel hinter her dackeln. Und das bei Wind und Wetter und da war der Ritt durch die Nacht von dem Schimmelreiter nur der reinste Ponyhof ... Sie merken es schon, in dieser Woche fühle ich mich dem Ponyhof derartig verbunden das man meinen könnte, ich wäre zusammen mit den 3 Mädels auf dem Immenhof aufgewachsen ...



Also, wer reitet da so spät bei der Nacht noch durch das Gewitter und wenn es nicht der Erlkönig oder der grosse Zampano aus der Verfilmung mit Giulietta Massina ist, dann wird es wohl der alte Mann mit dem langen Bart sein, der da sein Unwesen treibt und alle Kidis an der Nase herum führt, denn das da am Ende nur eine Mandarine, vielleicht zwei Spekulatius, zwei Goldtaler und noch ein Kaugummi das Kinderherz für den Bruchteil einer Sekunde höher schlagen lassen ... na was denn, da latscht man zwei Stunden durch das Gewitter und bekommt als DANK eine Tüte, deren Kalorien-Inhalt schon nach den ersten 500 Metern verbraucht ist?

Soso, es geht ja um ganz etwas anderes und man sollte froh und glücklich sein, wenn man da überhaupt etwas ergattert ... hallooooo, ich will nicht teilen und schon gar nicht würde ich auch noch diese Zwergentüte der schlechten Laune teilen wollen oder hätten Sie Lust auf eine angebissene Runkel von einem verschnupften Kind oder würden Sie sogar bei 8° Celsius ihren Cashmere-Mantel mit ihrem Nachbarn teilen? Sehen Sie, jetzt schlackern auch Ihnen die Ohren und wie steht es liebe scheinheiligen Anhänger der St.Martin-Metapher ... Mantel zerreissen und mit schlotternden Knien weiter durch die Prärie reiten. Das macht doch keiner, der da etwas mehr in der Birne hat, als der Martin in die Tüte packt ...?




Doch, doch, doch ... ich habe vergessen ... jetzt kommt ja die Jahreszeit wo allen ganz warm um das Herz wird und wo sich ein jeder berufen fühlt seinem Nächsten etwas Gutes zu tun und jaaa, es kommen bald wieder die Musikgruppen mit den Panflöten in die Einkaufszonen und warten Sie nur ab aber schon sehr bald gibt es auch wieder die unzähligen Bilder des Hungers mit den noch herzzerreißenderen Spendenaufrufen für die Verwaltungsapparate der Charitys. Nein, nicht Celebritys ... obwohl, es laufen eine ganze Menge neuer Filme in den Kinos und die Fernsehsender überschlagen sich mit der Werbung zu diesen ... selbst der Blow-Man from Britania hat einen neuen Film abgedreht und selbst meine Person überlegt schon, ob sie sich in das Kino quält, um den #Hugh Grant in seinem neusten Streifen zu begutachten ... 

Elvis lebt ... ja, der Elvis soll nicht gestorben sein, sondern munter und vergnügt auf einer Insel für Senioren leben. Nein, Mallorca soll es nicht sein auch wenn dort außer am Ballermann der Altersdurchschnitt locker über dem eines Dinosauriers liegt oder wussten Sie nicht das die