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Die Macher ... der anonymen Alkoholiker-Statistik

Oh mein Gott, wir haben ja schon 2011 ... und das fällt mir natürlich im Besonderen in das Auge, wo ich doch 1966 geboren bin und mich jetzt an der Stelle des Lebens befinde, wo ich mich als Teenie in diesem Leben nicht sehen konnte ...

Das hatten Sie doch auch, dieses Gefühl das alle Gestalten um Sie herum die Älter als 40 waren, als alte Säcke galten, oder?

Noch sehr gut kann ich mich an diese Zeit erinnern, denn als ich ein noch junges Pflänzchen war, da war schon alles über 30 auf dem Weg zum Bestatter ... Überhaupt war ich ein "echter Sonnenschein" als Jugendliche. Ich war nämlich ein Punk und zwar mit allem, was so dazu gehörte. Spitze Stiefel, abrasierte Haare, schwarze Kluft und ... nein, nein, wir waren gepflegte Punks, die jeden Tag die Irokesenschnitte unter der Dusche gewaschen haben und unsere Zelle hing an den Wochenenden im Ratinger Hof ab. Man, was waren das noch Zeiten, als wir im Hofgarten die Apperetifs aus den Magnum-Pennerglück-Kartonagen zu uns genommen haben und von wegen wir kamen aus dem Millieu?

Nix da, es waren alles die Kids aus den Haushalten der Geschäftsleute und bei weitem war da kein Hartz4-Klientel unter uns. Es ging uns einfach nur das Tragen der College-Schuhe ... mit den Fransen darauf ... auf den allseits beliebten Keks. Auch fanden wir den lästigen Gang zur Schule völlig daneben und die angepasste Gesellschaft war uns zuwider. Gut, dass wir damit nicht auf offene Ohren bei den Obrigkeiten in den heimischen 4 Wänden stießen, läßt sich doch wohl nachvollziehen ...

Ja, ich muss gestehen, dass ich mich als die Folge des erfolgreichen Eisprunges nicht so gerne im Stambaum gehabt hätte aber das Leben nach dem Spaß in den Federn ist nun einmal kein Wunschkonzert ... sagten weise Leute einmal. Und wenn man dann so ein Propper-Meiche wie mich hat, dann kann man schon etwas erleben. Auf jeden Fall war kein Abschnitt meines Lebens von der gähnenden Langeweile geprägt und wenn Sie mich fragen würden, was ich noch nicht erlebt habe, dann fällt mir nur der Flug zum Mond ein ...

Ja, ich habe wirklich alles erlebt und Sie glauben nicht, was für ein Revoltierer ich war ... Mir ging so ziemlich alles was in Regularien verpackt war auf den Geist und Regeln waren schließlich dazu da, um diese zu brechen. Nein, auf der kriminellen Ebene war ich nicht aktiv und auch Diebstähle gehören nicht in meinen Lebenslauf. Gewalt ...? ... na nicht die körperliche Gewalt aber die verbalen Ergüße meiner Person hatten in etwa die gleiche Schlagkraft, wie ein Baseballschläger ... Und wehe dem, dass mir eine Nase nicht passte ... Dann konnte ich durchaus sehr ausgeklügelte Strategien entwickeln, um diese Person zu mobben.

Erstaunlich ist doch auch die Tatsache, dass viele meiner Kollegen aus der Zeit ganz normalen Berufen nachgehen und eine Vielzahl der Cliquenmitglieder hat sogar das Studium beendet und der Rest ... Santa Fu!

Ist doch ein guter Schnitt, wenn ich das so bedenke und nur weil da ein paar der Gestalten die Kurve in die Normalität nicht gefunden haben, kann man ja nun nicht von einem schlechten Umgang sprechen, oder?

Drogen ... ja, hat es reichlich gegeben aber das war noch niemals meine Welt, denn ich bin ein Kontrollfreak und der Kontrollverlust durch chemisches Zeug war noch nie meine Leidenschaft. Vielleicht aber hatte ich auch nur zuviel Schiss vor den Konsequenzen, wenn man sich da das weisse Puder in die Nase schlug oder den Joint in den Kopf pustete. Nein, dass war nicht meine Welt und noch immer bin nich hier im Dorf erstaunt, wieviele aus der pubertären Phase nicht den Absprung geschafft haben. Ob Sie es glauben oder nicht aber in diesem 80.000 Seelendorf muss es eine echte Kokaintruppe geben, die auf den Feten den weissen Stoff aus dem die kurzlebigen Träume sind, den Gästen anbieten. Was denn sonst, na klar sind das die Kinder der 3. Generation, die jetzt das Erbe der Urgroßeltern durch den Kamin jagen und außer dem Dauerfeiern nichts auf die Kette kriegen. Die stehen dann so alle paar Wochen mal in den bunten Dorfblättern und lassen sich feiern, weil die wieder einmal mit 102 Schlägen des Golfball auf dem 9-Loch-Platz eingestielt haben oder weil deren Firmen ... bzw. die Firmen der besagten 3. Generation wieder eine neue Ruine aus dem Boden stampft oder weil in den Hallen der enteigneten Juden ein Party mit den Loosern dieser Stadt gefeiert wurde. Doch, doch, solche Lokalitäten haben Sie auch in ihrem Dorf und wenn es nicht die Pinte an der Ecke ist, dann schimpft sich diese jetzt Weinladen.

Ich sage Ihnen, dass sind die wahren Treffpunkte derer, die das ganze Leben im Rausch verbringen und alle einen Sponsoren an der Backe haben ... Waren Sie schon einmal in solch einer Kaschemme der Weinfässer auf zwei Beinen?

Ohoh, dann ist einen Segen dieser Kelch an Ihnen vorbei gegangen aber Sie haben ja mich, die Ihnen da einen Einblick verschaffen kann. Also, dass ist so:

Dunkler Gastraum, viele Schwätzer an den Tischen, dann singt mal das eine oder andere Sternchen der Volksmusik ein Heimatlied und zu jeder geschlagenen Stunde plöppt der nächste Korken bzw. heute sind das ja nur noch blecherne Drehverschlüsse. Natürlich sind die royalen Penner für das Sterben der Korkeiche verantwortlich, wenn ich schon alleine an die Weintrinker des Kreuzbundes denke. Zurück zu einem normalen Abend des alkoholisierten Wahnsinns in einem Dorf.

In aller Regel ist der Wirt sein bester Kunde und die Gemeinde um diesen herum zieht nach ... alle haben sehr viele kleine Äderchen auf den Wangen und nur der Erfindung der Camouflage ist es zu verdanken, dass man das bei den Tussen nicht sieht. Nein, Damen passt einfach nicht zu diesem Klientel ... Tussen ist besser oder sagen wir doch die wandelnden Piccolos ... Ja, dass passt. Also, die Spritbacken treffen sich am Tag hier in einem Cafe das als die Noblesse der Stadt verstanden wird ...

Holymoly, ja, an dem enormen Selbstbewusstsein durch die fehlende Realitätsprüfung hat sich leider noch immer nichts geändert aber das ist ja auch der Grund, warum der Mensch von Welt auch einen riesigen Bogen um diesen Ort der guten Promille-Laune macht. Es fällt einfach weniger auf, wenn man den alkoholischen Muss-Tagesbedarf in einem Nussbecher mit viel Likör darin zu sich nimmt. Egal, wann immer Sie diesen Ort auch im Vorbeigehen erblicken ... es sitzen immer die gleichen Köppe der Bedeutung des Sackes Reis in China auf den billigen Plätzen ... und wenn Sie sich den Spaß zum Besuch des gesellschaftlichen Gruselkabinetts an einem Samstag des Mittags antun, dann haben Sie sogleich den gesamten Pulk der städtischen Mischpoke auf einem Fleck ... liebe Talibans, ist das nicht ein guter Tipp?

Da sitzen diese dann und wollen sehen und gesehen werden ... Moment, ich will die doch gar nicht sehen aber vom Parkplatz zu meiner Hausbank muss ich da immer vorbei und ich sage Ihnen, dass ist wirklich ein Event. Vielleicht sollte ich der Stadt einmal vorschlagen, diesen Treffpunkt des Scheins & Seins in den Stadtführer aufzunehmen, um der Jugend der Neuzeit die abschreckenden Beispiele der Gesellschaft zu präsentieren. Wobei sich dafür natürlich noch besser diese Weinhandlungen anbieten, wo Mischpoke & Co´s den Feierabend nach dem unnötigen Nichtstun genießt. Da war ich auch eigentlich im Geiste vor Ort ... also das Trallala der Heimatmelodien hatten wir schon und die Blechkorken der 1/4 Stunde hatte ich auch schon aber spannend und lustig wird es ja erst so richtig, wenn der Abend weiter schreitet und die Reben die vernebelten Birnen durchlaufen. Dann sind das nämlich alles die MACHER, die Macher der erneuten Staatsverschuldungen und der erhöhten Mitgliederzahl der anonymen Alkoholiker. Da werden dann die Witze aus den 80ern und 90ern zum 1000 Mal zum Besten gegeben und die Spitzen dieser alten Bärte können Sie dann auf den schmuddeligen Toiletten der "Stargastronomie" besichtigen.

Jetzt fällt es mir schwer, die Dialoge der "Low-Society" wieder zu geben aber ich versuche es an Hand eines fiktiven Gespräches zur späten Stunde im dörflichen Weinfass:

Peter


Kalle


Kalle: Hör ma, hasse denn schon auch die neue Kollektion gesehen ... lal,lal
Peter: Watt denn für ne neue Kollektion ... lal,lal
Kalle: Wieee, weisseeseee nich, datt wir jetz auch inne Dingens machen...?
Peter: Watt is deeen Dingens ...lal,lal?
Kalle: Na bisse doof ... die Dingens mit die Geträller von ne Volksmusik ...
Peter: Ole´ Ol´e Ol´´eee wir sind die Champigons Ol´e ... meinse datt Liedken?
Kalle: Bisse .... (Rülps) doof, nä die Blagen haben doch datt sinngen entdeckt und trällern so geeeeiiiil wie ikke...
Peter: Watt, Kalle, Du kanns singen ... so richtig mit Mikro und 10 Watt-Box ... lal,lal
Kalle: Na klar ... hör mal zu ... Wenn Ei weck ab in se Morning-leit und das Sönneken meine Augen streiffffffft ... dann is datt ein Lowely Day.
Peter: Nä ... sach bloß, datt hass Du gesungen ...
Kalle: Ja watt denks Du denn ... denn Text, den Gesang und die Melodieeee hat ein schwatter Kopp gemacht aber der echte Star am dunklen Himmel bin ikke.
Peter: Wer ist denn Ikke ... is datt der Mann von Tina Törner?
Kalle: Ikke bin Ikke Du Dummkopp ...
Peter: Warte mal, datt kapier ikke jetzt nich ... ich brauch noch einnnneeeeeen Viertel oder Käthe, gib mir mal die Pulle an den Tischeeeee ... also Du biste der Ikke und der schwatte Mann in einer Pesrooonn.
Kalle: Datt heißt Persoooon und Ikke bin der Star inne Welt und du hier in Deiner Kaschemme.
Peter: Datt kapier ich nich, Du biss Ikke, der schwatte Kopp, das Blage mit der Volksmusik und der Star inne Welt? Willse mir datt jetz und hier damit saaaageeeeen?
Kalle: Genaauuuu, Du kann auch gerne ein Konzert hier Veranstalten mit de Blagen und mich als Ikkebana ...
Peter: Datt würdse für mich machen, wo ikke doch schon immer dein bester Freund waaaaaaaaaaaaaar ...
Kalle: Na klar, watt denks du denn, datt mache ikke und wenn ich dann alle von mine Freunde einlade, dann kannse auch wieder zehn Fässer an einm Abend verkloppen ... so wie die alle saug´fen ...
Peter: Datt mach ich doch glatt und meeeiiiin Enkel oder der vonne Käthe hat auch noch so´nne Fisher-Price-Karaokeee - Dinger in deeer Kahammer ...
Kalle: Ja siehssse und datt ist der Tach der Geburt von dem nueeeennn Robbiiiiiie Williaaaaams ...
Peter: Nä watt ich doch für ein Glück vandage habe und datt alles nur, weil wir die besstteeennn Kumpels unter der Säufersonne sind ... sach mal, kannse denn nich auch ein bischen ... na du weiss schon ... dieses weisse Puuuulver mitbringen ...
Kalle: Peteeeer datt freut mich jetz aber datt Du auch ein bisken von dem teuren Pulver inne ee Nase zieeeeeheeen wills ... darauf trinkeeeeen wir noch zehn Gläser ...
Peter: Wieso weises Pulver inne Nase ... bisse bekloppt, näääää ich meine datt weisse Pulver watt auch der Arnold Schwanzenegger immer auf diue Hände klatscht, wenn der die Hanteln oder Weibeeeeer stämmt?
Kalle: Meinst Du Schwaaaachkooop etwa Kreide?
Peter: Ja watt denn, findse nich datt Deine Stimme einnnn bisken mit Kreide geölt werden sollte  ...
Kalle: Hast Du se noch alle, meine Stimme ölen ...
Peter: Weisse watt, wir machen ganz watt anderes .. Du singst datt Märchen vonn denn 7 Ziegen und dem bösen Wolf ...
Kalle: Warum ziehse denn jetzt meine Familie da mit reieeen ... Du biss wohl besoffen watt ... 7 Ziegen ... gleich gibich dir 7 Ziegen ... datt sind nur 6 Ziegen ... watte mal, datt erzähle ich jetz weiter ... Du hasse doch nich mehr alle ..
Peter: Menscchhhh Kalle, datt hasse in den falschen KKoppp gekriecht ... Hals gekrieccchht ... ich meine doch die Ziegen aus dem Märchen ...
Kalle: Datt kammm jetz nicht aber so rüber ... ach weisse watt, schiess doch der Hund auf datt Geträller und so wieter ... hol noch mal bnneee Pulle auf Deine Kosten und dann isset wieder gut ... mein bester Kumpel der Weinfässeeer und Korken aus BVlllllech ...
Und wieder einmal endet das Märchen vom großen Star unter dem Mantel der blechernen Korken ...
Klicken Sie doch mal auf den folgenden Link ... so singt eine, wenn diese die Tage und Abende nicht an den Theken dieser Welt abhängt ...